Wunschkind

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Freitag 2022-12-02
 D   2012
Wunschkind

Eigentlich sind sie ein Mutter-Tochter-Gespann, wie es harmonischer kaum sein könnte: Die angesehene Hamburger Kinderärztin Claudia Kayser (Kirsten Block) und ihre fast 17-jährige Tochter Carolin (Carolyn Genzkow). Seit dem tragischen Tod des geliebten Vaters sind die beiden noch enger zusammengerückt — damals half das Mädchen ihrer trauernden Mutter, ein schweres seelisches Tief zu überwinden. Inzwischen hat Claudia ihr Leben wieder voll im Griff und in dem sympathischen Familienanwalt Thomas (Martin Feifel) einen neuen Lebenspartner gefunden. Carolin spielt indes mit dem Gedanken, in die beruflichen Fussstapfen ihrer Mama zu treten, und absolviert deshalb ein Praktikum in deren Krankenhaus. Umso grösser ist der Schock, als die Teenagerin ausgerechnet an ihrem 17. Geburtstag herausfindet, dass sie als Baby adoptiert wurde. Enttäuscht und zutiefst verletzt, macht sie ihrer Mutter schwere Vorwürfe, weil diese ihr in all den Jahren nie die Wahrheit erzählt hat. Auf eigene Faust will sie nun herausfinden, wer ihre leiblichen Eltern sind. Mit Hilfe des Jugendamtes wird sie fündig: Ihre Mutter heisst Chantal (Julia Brendler), ist Mitte 30, chronisch pleite, aber immer gut drauf. Sie führt ein lockeres Leben ohne familiäre Verpflichtungen und hält sich als Kosmetikerin eines kleinen Friseursalons auf dem Hamburger Kiez über Wasser. Carolin zeigt sich von der unbekümmerten Art Chantals fasziniert und beeindruckt, ist sie doch so ganz anders als die hanseatisch zugeknöpfte, ihre Gefühle stets unter Verschluss haltende Claudia. Der Versuch, sich bei einem gemeinsamen Mütter-Tochter-Essen besser kennenzulernen, endet durch Claudias eifersüchtige Sticheleien in einem Eklat. Dennoch — oder gerade deshalb, wird die Beziehung von Carolin und ihrer leiblichen Mutter immer inniger. Schliesslich verlässt das Mädchen nach einem heftigen Streit ihr Elternhaus und quartiert sich bei Chantal in deren winziger Kiez-Wohnung ein. Es dauert jedoch nicht lange, bis Chantal sich eingestehen muss, dass sie der Verantwortung als Mutter noch immer nicht gewachsen ist. Verletzt und einmal mehr tief enttäuscht, fühlt Carolin sich von ihren beiden Müttern im Stich gelassen und läuft davon. Von einem Tag auf den anderen muss eine sensible Teenagerin mit der Situation zurechtkommen, dass sie als Baby adoptiert wurde und daher nicht nur eine, sondern zwei Mütter hat. Sie selbst gerät dadurch in einen verstörenden emotionalen Konflikt, aber auch die scheinbar geordnete Gefühlswelt der beiden Mütter wird nachhaltig ins Wanken gebracht. Regisseur Stephan Meyer inszeniert das Familiendrama "Wunschkind" mit viel Gespür für lebensnahe Charaktere und nachvollziehbare Konflikte. In der Titelrolle beeindruckt die Newcomerin Carolyn Genzkow, die beiden ungleichen Mütter werden von Kirsten Block und Julia Brendler verkörpert.


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