Zelig

01:30-02:45 SF 1
Sonntag 2017-11-26
 USA   1983
Zelig

Eigentlich ist Leonhard Zelig (Woody Allen) bloss ein kleiner jüdischer Büroangestellter im Amerika der 1920er- und 30er-Jahre, ein Durschschnittsmensch ohne grosse Ambitionen. Doch sein übergrosses Anpassungsbedürfnis lässt ihn buchstäblich aus der Haut schlüpfen und sich seinem jeweiligen Umfeld angleichen. In Gegenwart gewichtiger Staatsmänner legt er eine staatstragende Würde an den Tag. In Gesellschaft einer schwarzen Jazzband wird er zum schwarzen Trompeter, und unter den Bewohnern Chinatowns nimmt er in kürzester Zeit deren charakteristische Merkmale an. Anfang der 30-Jahre schreibt er endgültig Zeitgeschichte, als er inmitten der Braunhemden Hitler zujubelt: Der kleine Jude als perfekter Nazi. Die Presse erkennt in ihm schon bald einen neuen Star. Zelig wird zur Jahrmarktattraktion einer Gesellschaft, die immer wieder nach neuen Sensationen giert. Doch eines Tages schlägt die öffentliche Meinung um. Man verfolgt Zelig als Bigamisten, als kriminelles Monster, dem unzählige Verbrechen angelastet werden. Er ergreift die Flucht. Einzig seine Psychiaterin Eudora Fletcher (Mia Farrow), die sich in ihren ungewöhnlichen Patienten verliebt hat, hält noch zu ihm. Die Doktora setzt alles daran, ihn von seinem "Chamäleon-Syndrom" zu heilen. Woody Allen spielt hier den Jedermann, der gleichzeitig ein Niemand ist, verzweifelt darum bemüht, von allen geliebt zu werden und der sich dafür allerlei monströsen Verwandlungen unterzieht. Allen hinterfragt die dokumentarische Authentizität mit geschickten formalen Manipulationen: Er stellt echtes Archivmaterial aus den Zwanzigerjahren neben gefälschtes und retuschiertes, er lässt Grössen wie Susan Sonntag oder Saul Bellow in gespielten Interviews das Phänomen Zelig interpretieren und lässt ihn gemeinsam mit Papst Pius XI. die Gläubigen begrüssen. "Der Spiegel" nennt den Film "eine hinreissende Satire" und "ein Wunderwerk an Dokumentarmontagen, wenn Allen da mit nahtloser Perfektion in Nazi-Wochenschauen, Prominentenpartys mit Chaplin, Cagney und US-Präsidenten montiert wird.".


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