Geschlossene Gesellschaft

22:26-00:14 3sat
Donnerstag 2019-05-16
 DDR   1978
Geschlossene...

Ein Ehepaar mit kleinem Kind verbringt den Urlaub ungeplant ganz allein und ohne Freunde. Plötzlich sich selbst überlassen, brechen bisher unausgetragene Konflikte auf. Frank Beyers Film steht bis heute für eine hervorragende Analyse des DDR-Alltags und eine überaus subtile Gesellschaftskritik. Drei befreundete Ehepaare wollen einen Kurzurlaub miteinander verbringen. Die einen haben einen Verkehrsunfall, die anderen sind beruflich verhindert. So sind der Konstrukteur Robert und die Jugendhelferin Ellen gezwungen, die Tage in einem abgelegenen Bauernhaus allein mit ihrem kleinen Sohn zu verbringen. Die bislang verdrängte Ehekrise bricht offen aus. Vorwürfe, Geständnisse, Anklagen, Selbstanklagen stehen im Raum. Schmerzhaft kommen sie zur Erkenntnis, dass für ihr Glück nur sie allein verantwortlich sind. Bei dem alten Hausvermieter findet jeder von ihnen zu sich selbst. Am Ende wollen Robert und Ellen einen neuen Anfang versuchen. Kammerspielartig beschreibt der Film eine private Krise, die zugleich eine gesellschaftliche ist. Er kommt dabei ohne billige Lösungen, ohne verordneten Frohsinn und Fortschrittsoptimismus aus. Dafür gelangen die Protagonisten zur Erkenntnis, dass man Probleme nicht löst, indem man sie verdrängt und verschweigt. Verdrängung macht krank — individuell und gesellschaftlich. Diese ungeschminkte Sicht war für die Parteiobersten Grund genug, den Film im Nachtprogramm des DDR-Fernsehens zu senden und nach der Ausstrahlung zu verbieten.


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