Gainsbourg – Popstar, Poet, Provokateur

22:28-00:21 3sat
Donnerstag 2018-10-11
 F/USA   2010
Gainsbourg – Popstar,...

Fast 30 Jahre lang prägte Serge Gainsbourg die kulturelle Szene Frankreichs. Regisseur Joann Sfar zeichnet das Leben des Chansonniers, Komponisten und Schriftstellers nach. Passend zum Charaktertypen Gainsbourg ist der Film anders als klassische Filmbiografien. Sfar selbst nennt sein Werk "Ein Märchen" und geht entsprechend frei mit dem Stoff um. In der Titelrolle zeigt der Schauspieler Éric Elmosnino eine eindrucksvolle Leistung. Frankreich, Anfang der 1940er-Jahre: Der kleine Serge ist zwar kein schönes Kind, aber mit seiner vorlauten Klappe lässt der Sohn jüdischer Eltern sich nicht einmal von den Demütigungen durch die deutschen Besatzer unterkriegen. Auch bei älteren Mädchen kann er dank seiner eigenwilligen und wortgewandten Art Eindruck schinden. Mit Musik hingegen hat der junge Serge noch nichts am Hut — er träumt von einer Karriere als Maler. Die Fantasie dazu hätte er: Immer wieder flüchtet er aus der harten Realität des von Nazis okkupierten Frankreich in eine imaginäre Welt. Er erschafft sich sogar eine Art Alter Ego, das wie eine Karikatur seiner selbst aussieht und ihm in schwierigen Situationen zur Seite steht — ihn manchmal aber auch zu unklugen Handlungen verleitet; er nennt es "die Fresse". Ende der 1950er-Jahre verdient Serge, inzwischen ein junger Mann, als Zeichenlehrer sein Geld. Bis ihn "die Fresse" dazu bringt, sich von der Malerei abzuwenden und in der Welt der Musik sein Glück zu versuchen. Durch den berühmten Schriftsteller und Musikkenner Boris Vian gelingt ihm schliesslich ein erster Durchbruch. Damit beginnt eine einzigartige Karriere. Gainsbourg macht durch seine zahllosen Affären mit Stars wie Brigitte Bardot von sich reden und sorgt mit skandalträchtigen Chansons wie dem sexuell aufgeladenen "Je t'aime ... moi non plus" auch international für Schlagzeilen. Erst durch die Liebe zu der fast 20 Jahre jüngeren Jane Birkin scheint sein ausschweifendes Leben eine Wende zu nehmen. Er zeugt ein Kind und wird ein liebender Vater. Auf Dauer aber kann er nicht aus seiner Haut. Bis zum Schluss bleibt Gainsbourg ein genialer, von seinem Alter Ego getriebener Provokateur und subversiver Rebell. Massloser Konsum von Drogen, Zigaretten und Alkohol sind dabei ein fester Bestandteil seines kultivierten Images als ewiges Enfant terrible — ein Tanz auf dem Vulkan, der nicht ohne Folgen bleibt.


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Original titel: Gainsbourg (Vie héroïque) Subtitle:

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